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Der Schützenkreis Dortmund, Lünen, Schwerte, Castrop-Rauxel

im Wandel der Zeiten

 

Der Bund bezweckt den Zusammenschluß aller Schützenvereine des westfälisch-lippischen Raumes zur Pflege des Schützenbrauchtums als wertvollen Bestandteil unseres Volkslebens und die Förderung des Schießsports nach einheitlichen Richtlinien. Getreu seiner Tradition, den all überlieferten Schießsport ohne Unterschied des Ranges, Standes und Vermögens jedem Deutschen zu ermöglichen, enthält sich der Bund jeder parteipolitischen Betätigung oder Verfolgung konfessioneller Ziele. Er sieht es als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, seine Mitglieder zur kameradschaftlichen Ausübung des Schießsports anzuhalten, mit dem Ziele, höchste Leistungen zu erreichen und die besten zur Teilnahme an den Sportwettkämpfen der Olympiade vorzubereiten.

 

Das ist der § 2 der Satzungen des Westf. Schützenbundes, der am 25. 2. 1951, in den Mauern unserer Heimatstadt Dortmund, nach einem unseligen Kriege, wiedergegründet wurde. Mit dieser Wiedergründung nahm auch der Schützenkreis Dortmund – Lünen – Schwerte  - Castrop-Rauxel als örtliche Organisation seine Tätigkeit wieder auf. Aber es waren nur wenige Schützenvereine vorhanden, die nach den alten Grundlagen des Dortmunder Schützenkreises einen gemeinsamen Weg zur Ausübung und Entwicklung des sportlichen Schießens anstrebten. Die Mehrzahl der Vereine tat damals das, was sie besser hätten nicht machen sollen. Sie entwickelten sich zu Geselligkeitsvereinen unter dem Mantel einer vorgetäuschten Schützentätigkeit. Wir alle wissen, wie schwer es war, den Gedanken sportlichen Schießens und der Schützen überhaupt, wieder in die Öffentlichkeit zu tragen. Wußten wir bis 1951, ob wir jemals wieder als sporttreibender Verband anerkannt wurden? Die alliierten Behörden haben uns diesen Weg bestimmt nicht leicht gemacht. Aber was vermag ein echter Schütze nicht zu schaffen. Mit der Wiedergründung waren die schwierigsten Hindernisse überwunden. Was jetzt kam, war die Arbeit der altbewährten Schützenbrüder, an ihrer Spitze im Schützenkreis Dortmund der damalige erste Kreisvorsitzende Anton Schmidt, von den Nördlichen Dortmunder Schützen, und mit ihm 16 Schützen- und Schießsportvereine legten den Grundstein unseres heute auf 56 Vereine angewachsenen Kreises. Anton Schmidt war ein begeisterter Schütze, durch seine Initiative begann der Schützenkreis langsam wieder Form anzunehmen. Es waren keine leichten Jahre, an Sportstätten war fast nichts mehr vorhanden und die Voraussetzungen für den Schießsport waren im Raum Dortmund denkbar ungünstig. Mit den primitivsten Mitteln, aber dem nötigen Idealismus und Willen wurde der Schießsport wieder Zug um Zug ausgebaut. Große Verdienste hat sich hierbei der Sch.-K. Ferdinand Grah sen., als Bezirks- und Kreisschießwart erworben. Er hatte eine vorzügliche Art Meisterschaften zu organisieren und durchzuführen.  Jeder Schütze, der in den ersten Jahren dabei war, weiß, was so eine Meisterschaft an Nerven kostete, für den Verantwortlichen sowohl als auch für den Schützen selbst.

 

Zu seinen ständigen Mitarbeitern gehörten damals schon die heute noch aktiv im Kreisvorstand tätigen Schützenkameraden Josef Meyer, Südlicher Dortmund Schützenbund, Adolf Syber, BSV Aplerbeck, Heinrich Kroll, Hörder B.-Sch.-G. und sein Sohn Ferdi, Nördlicher Dortmunder Schützenbund, Josef Meyer, von 1953 bis 1957 2. Kreisscheißwart, wurde 1957 nach Ferdinand Grah sen. 1. Kreisschießwartund gab sein bestes für das Sportgeschehen im Schützenkreis Dortmund. 1959 stellte er sein Amt zur Verfügung und Heinrich Kroll, der das Amt des 2. Kreisschießwartes, techn. Schießleiters und Rundenwettkampfleiters innehatte, wurde sein Nachfolger. Damit stand ein Mann an der Spitze des Sportgeschehens, de aus den Anfängen heraus tatkräftig mitgearbeitet hatte und somit über große Erfahrung verfügte, die er seinen Sportschützen weiter vermitteln konnte.

 

Ferdinand Grah jun., schon als Jungschütze eifriger Helfer seines Vaters, leitet heute im Schützenkreis  Dortmund als 1. Kreisjugendwart die Jungschützen. Er hat ein großes Wissen auf dem Gebiet des Schießwesens und ist immer bereit, dieses an seine Schützenkameraden weiterzugeben.

 

1953 starb dann plötzlich und unerwartet der Kreisvorsitzende Anton Schmidt. Eine große Schützengemeinde gab ihm das letzte Geleit. Uns wird er unvergessen bleiben. Es war nun schwer, einen Nachfolger zu finden, Schützenkamerad Heinz van Leyen von den Sportschützen Körne, stellte sich nach langem Zögern bei der nächsten Delegiertenversammlung zur Wahl mit dem Vorbehalt: „Wenn Ihr einen besseren findet, trete ich wieder ab.“ Schon 1 Jahr später, 1954, stellte er sein Amt zur Verfügung. Ein neuer Kreisvorsitzender wurde gewählt und alte bewährte Schützenkameraden haben ihn aus der Taufe gehoben. Es ist unser heute noch amtierender Alwin Schröder von der Sch.-G. Kemminghausen. Für ihn als jungen Schützenbruder war es nicht leicht, in dieses schwere Amt einzusteigen. Es zeigte sich aber schon nach kurzer Zeit, welcher Schützengeist und Idealismus in ihm steckte. In unermüdlicher Arbeit schaffte er für seine Vereine und war zur Stelle, wenn er gerufen wurde. Ein weites Herz hat er für die Sportschützen des Kreises und ist immer darauf bedacht, für sie bei den Meisterschaften einen reichlichen Siegertisch zu decken. Die Sportschützen wissen es ihm zu danken.

 

In den darauffolgenden Jahren wurde in den Vereinen hart gearbeitet und Meilenstein um Meilenstein für das Deutsche Schützenwesen gesetzt. Alle waren darum bemüht, den geliebten Schießsport weiter auszubauen und zu fördern. Mancher finanzielle und ideelle Beitrag wurde geleistet, um den Wiederaufbau und die Neubeschaffung von Schießständen zu sichern.

 

Ende 1956 mußte unser unermüdlicher Ferdinand Grah sen. sich wegen einer tückischen Krankheit vom aktiven Geschehen des Schützenkreises Dortmund zurückziehen. Auf Grund seiner großen Verdienste für den Kreis und das Schützenwesen schlechthin, wurde er zum Ehrenkreisschießwart ernannt. Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, noch lange im Kreise seiner Schützenkameraden zu verweilen. Eine große trauernde Schützengemeinde gab ihm Anfang Mai 1957 das letzte Geleit und sagte ihm ein letztes Horrido. Uns wird er unvergessen bleiben. Seine Arbeit aber wurde weitergeführt und ausgebaut von den schon vorher mit ihm im Zusammenhang genannten Schützenkameraden.

 

Mit besonderem Stolz blicken wir auf den 1. und 2. Juni 1957 zurück, als in den Mauern unserer Heimatstadt Dortmund der 6. Deutsche Schützentag begangen wurde,. Es fällt schwer, alles in Worte zu kleiden, was die dabeigewesenen Schützen miterleben durften. Stand doch auf dieser Tagung die Wahl des neuen Präsidenten des Deutschen Schützenbundes an. Ein untadeliger Sportmann und Schütze, Dr. Georg von Opel, wurde in einmaliger Einmütigkeit aller anwesenden Delegierten auf den Präsidentenstuhl gerufen. Unser Oberbürgermeister Dietrich Keuning, der bei dieser Tagung zugegen war, würdigte in seiner mit Beifall aufgenommenen Ansprache den Wert des Deutschen Schützenwesens, wobei er die Bedeutung der Heimatpflege und des Brauchtums besonders hervorhob.

 

Schießsport, Heimatpflege und Brauchtum sind die Ziele, die jeden echten Schützen bewegen; das hatten bis 1957 30 weitere Vereine erkannt und waren dem Schützenkreis beigetreten, um so das Leben und Treiben in den Vereinen durch eine sinnvolle Breitenarbeit selbst werbend wirken zu lassen. Vornehmste Aufgabe des Kreisvorstandes war es von jeher, auch die noch außenstehenden Vereine anzusprechen, bei denen das Interesse für den Schießsport zwar vorhanden war, aber noch geweckt werden musste. Es war keine Seltenheit, dass aus einem

 

Schützenverein sich eine Gruppe schießsportbegeisterter Schützen löste, um den reinen Schießsportverein zu gründen. Gefördert durch die Arbeit des Kreisvorstandes nahm der Schießsport einen immer größer werdenden Raum im Vereinsleben ein. Wie groß das Interesse war, zeigen die Beteiligungen bei den jährlich durchgeführten Meisterschaften des Kreises. 100 und mehr startberechtigte Mannschaften waren in den letzten Jahren keine Seltenheit. Das brachte große organisatorische Arbeiten vor allem für die Kreisschießkommission mit sich. Die technischen Voraussetzungen waren nicht immer die günstigsten und so kam zwangsläufig der Gedanke, hier Abhilfe zu schaffen. Durch die Initiative des Kreisvorsitzenden Alwin Schröder wurde kurzer Hand eine vollautomatische Scheibenzuganlage in Auftrag gegeben, die dann 1959 erstmalig für die Meisterschaften und größere Schießveranstaltungen auf 25 Ständen zur Verfügung stand. Sportbegeisterte Vereine des Kreises haben den Ankauf dieser Anlage finanziell unterstützt. Ihnen sei hier nochmals der Dank aller Sportschützen auszusprechen.

 

Aber auch das Brauchtum wurde nicht vernachlässigt. Jahr für Jahr feierten die Schützenvereine des Kreises ihre Schützenfeste, Königsbälle und Jubelveranstaltungen. Der Kreisvorstand war auf Einladung immer zur Stelle. Wenn es hieß Königskrönungen, Jubilarehrungen und Fahnenweihen vorzunehmen, kam es sehr oft vor, dass der 1. Kreisvorsitzende bei der Vielzahl der Vereine die drei Festtage zum Wochenende zur Erfüllung dieser Wünsche ausnutzen musste.

 

Die jährlich durchgeführten Delegiertenversammlungen des Kreises, die immer gut besucht waren, zeugten vom guten Schützengeist und festigten den Zusammenhalt immer mehr. Dem Kreisvorstand wurde durch die jährlich erfolgten Wiederwahlen bestätigt, dass der beschrittene Weg der richtige war. Die Krönung seiner Arbeit erfuhr der Kreisvorstand und damit der Kreisvorsitzende Alwin Schröder persönlich, als ihm auf dem Deutschen Schützentag 1959 in Hamburg die höchste Auszeichnung des Deutschen Schützenbundes durch den Präsidenten Dr. Georg von Opel überreicht wurde. Im selben Jahr trat der durch Alwin Schröder ins Leben gerufene Kreis-Schützen-Musikzug das erste Mal bei Schützenfesten in die Öffentlichkeit und begeisterte mit seinen musikalischen Darbietungen. Geleitet wurde dieser Musikzug von seinen Stabführern Kuniss und Günter Hampel.

 

Bei der Herausstellung verdienter Schützenkameraden, kann man nicht vorübergehen, an dieser Stelle Namen zu verewigen, die aus den Vereinen des Dortmunder Kreises stammen und bei den Schützen im gesamten Bundesgebiet bekannt sein.

 

Paul Kempke, Ehrenpräsident des WSB von der Schwerter Sp.-Sch., Dr. Albert Hilverling, Präsident des WSB von der Hörder Bürger-Schützen-Gilde, Ernst Kubzig, Geschäftsführer des WSB von der Hörder Bürger-Schützen-Gilde, Hans Heddergott, 2. Schriftführer des WSB vom Südlichen Dortmunder Schützenbund, Wilhelm Treek, langjähriger Schriftführer beim DSB von den Jagd- und Sportschützen Dortmund.

 

Für die beiden letzten Jahre kann rückschauend festgelegt werden, dass sie für den Schützenkreis Dortmund in organisatorischer und schießsportlicher Hinsicht nicht weniger erfolgreich waren, als die voraufgegangenen. Die Mitgliederzahl der Vereine hat sich bei heute auf 56 Vereine erhöht und setzt sich aus 39 Schützenvereinen und 17 Schießsportvereinen zusammen. Wenn auch noch einige Vereine außerhalb stehen, so beweist der stetige Zuwachs doch, dass unser Schützengedanke und Schießsport immer mehr Freunde und Anhänger findet. Die Jugend wird langsam aber stetig an unsere Ziele herangeführt. Sie für unseren Sport zu begeistern, sollte uns höchste Aufgabe sein. Vergessen sollte man auch nicht, sich mehr und mehr mit

dem Gedanken unserer heutigen Zeit vertraut zu machen, und das Vereinsleben dementsprechend darauf abzustellen.

 

Als Abschluß sei hier allen Vereinen des Schützenkreises Dortmund – Lünen – Schwerte – Castrop-Rauxel ein herzliches Dankeschön gesagt, die durch ihren selbstlosen Einsatz den Weg des Kreises gezeichnet haben. Herzlichen Dank auch den Mitgliedern des Kreisvorstandes sowie der Kreisschießkommission für die tatkräftige Hilfe in all den Jahren. Möge uns die kommende Zeit weiterhin Friede und Eintracht bringen, um an dem Werk unserer Schützengemeinschaft eine Quelle der Freude und Erholung zu finden.

 

Bewahrt euch nach den Worten unseres Kreisvorsitzenden Alwin Schröder das Vereinsleben und den Schießsport als Hobby, das die Freizeit ausfüllt und Geist und Nerven stählt.

 

Horrido und Glückauf

 

Adolf Syberg