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Mit 50 Jahre Schützenkreis Dortmund-Schwerte ist die Zeit nach der Wiedergründung 1951 gemeint. Den Schützenkreis Dortmund-Schwerte hat es in ähnlicher Form und Größe schon seit der Gründung des WSB und des DSB 1861 gegeben. Beim Durchblättern der Deutschen Schützenzeitung im Archiv des Deutschen Schützenbundes in Wiesbaden tauchen Dortmunder Schützen bereits 1862 auf. Im Juni und Juli 1862 werden bereits 72 Dortmunder Einzelmitglieder beim Deutschen Schützenbund genannt; damals nahm der Deutsche Schützenbund nicht komplette Landesverbände bzw. Vereine auf, sondern kannte im wesentlichen nur eine Einzelmitgliedschaft. Die Zahl der Dortmunder Mitglieder steigerte sich auf bis über 150 bis zum Jahre 1864, auch Schwerter Schützen werden bereits 1864 genannt, es waren in dieser Zeit 21; dazu kamen noch 7 Schützenbrüder aus Hörde, die damals (1864) noch gesondert gezählt wurden.

 

Neben den für Westfalen absolut dominierenden Zahlen aus Dortmund und Schwerte werden einige Großveranstaltungen, die in unserer Stadt stattfanden, in der Deutschen Schützenzeitung genannt. Nach der Gründung des WSB 1861 in Bielefeld fand am 15. 3. 1863 eine Delegiertentagung des WSB an der „Schützenlust“ in Dortmund statt. Es folgte dann bereits am 12. und 13. 6. 1863 ein großes westfälisches Bundesschießen in Dortmund mit bis zu 600 Teilnehmern. Auch am 19. und 20. 6. 1864 fand ein großes westfälisches Festschießen in Dortmund statt. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten taucht Dortmund immer wieder als Schützenhochburg in den Unterlagen des Deutschen Schützenbundes auf.

 

Aber zurück zur Wiedergründung 1951. Über das Ereignis hatte in der Festschrift zum 10-jährigen Jubiläum des Schützenkreises der damalige Geschäftsführer und späterer Kreisvorsitzende Adolf Syberg berichtet. So haben wir kompetente Ausführungen über die ersten 10 Jahre unseres Kreises. Nach dieser Einleitung und einigen eigenen Erinnerungen an die ersten Jahre und Jahrzehnte ab 1950 werden wir auch die Ausführungen von Adolf Syberg in diesem Festbuch veröffentlichen.

 

Die meisten Schützenbrüder, die den Kreis-, Bezirk- und Landesverband der Schützen wieder ins Leben riefen, kannte ich schon als Kind. Solange ich mich zurück erinnern kann, gingen Dr. Albert Hilverling, Paul Kempke, Anton Schmidt, Fritz Hoff usw. bei uns zu Hause ein und aus. Treffpunkt war der Aufenthaltsraum hinter unserem Geschäft oder die Wohnung darüber. Es wurde endlos über die Schützen und die Jagd diskutiert oder genauso endlos Schach gespielt. So ab 1948 war das Hauptthema natürlich die Wiederbelebung der Schützensache. Glücklicherweise hatte Paul Kempke noch viele Anschriften von Schützenvereinen in Westfalen. Die Dortmunder konnten weitere Adressen beisteuern, genauso wie erhebliche Kontakte und einiges an Vorarbeit bereits im Bereich Gelsenkirchen geleistet wurde. Bereits 1950 wurde alles so konkret, dass der Westfälische Schützenbund und auch der Schützenkreis Dortmund-Lünen-Schwerte-Castrop-Rauxel gegründet werden konnte. Schützenbrüder aus unserem Bereich waren maßgeblich an diesen frühzeitigen Initiativen beteiligt. So übernahmen bei der Proklamation des Westfälischen Schützenbundes 1951 nachfolgende Schützen die schwierige Arbeit des Wiederaufbaues, es waren dies der erste Nachkriegspräsident des WSB Dr. Albert Hilverling von der Hörder Bürgerschützengilde als Vizepräsident Anton Schmidt vom Nördlichen Dortmunder Schützenbund sowie als Präsidiumsmitglieder Ernst Kubzig Hörder Bürgerschützengilde, Hans Hedergott vom Südlichen Dortmunder Schützenbund, Wilhelm Treek von den Jagd- und Sportschützen Dortmund. Auch bei der Proklamation des Deutschen Schützenbundes 1951 in den Messehallen in Köln-Deutz war eine große Abordnung aus dem Schützenkreis Dortmund vertreten. Neben den eben genannten Präsidiumsmitgliedern des WSB war auch eine kleine Abordnung mit Fahnen des Nördlichen Dortmunder Schützenbundes in Köln. Ich war als 17-jähriger stolz, dabei zu sein, wie Bundespräsident Prof. Heuss den Deutschen Schützenbund wieder ins Leben rief, und das Bundesbanner des DSB dem ersten Präsidenten Dr. Wehner überreichen konnte.

 

Erster Kreisvorsitzender wurde 1951 Anton Schmidt vom Nördlichen Dortmunder Schützenbund. Anton Schmidt war ein Freund der Schützentradition und ein begeisterter Sportschütze. Mit seinem Freund Ferdinand Grah sen. und seinem Patenkind Ferdinand Grah jun. schaffte er es unter den schwierigsten Bedingungen, den Schießsport und die Schützenidee in Dortmund wieder zu beleben. So stand beispielsweise 1950 nur ein über die Nachkriegszeit gerettetes Luftgewehr zur Verfügung. Nur mit dem Luftgewehr mit glattem Lauf durfte überhaupt zu der Zeit geschossen werden. Dieses Luftgewehr wurde zur „Wettkampwaffe“ frisiert und diente dann allen Schützen bei der ersten Meisterschaft von Alt-Dortmund als Sportgerät. Alle Schützen bedeutete 5 Schützen des BSV Dortmund und 10 des Nördlichen Dortmunder Schützenbundes; sogar einige Schützenmedaillen wurden zu dieser Zeit aufgetrieben, so dass ich die, für meinen zweiten Platz errungene Silbermedaille, immer noch bei meinen Unterlagen habe. Auch die ersten Nachkriegs-Königsschießen wurden mit diesem Luftgewehr durchgeführt (Nördlicher Dortmunder Schützenbund, Schützengilde Kemminghausen). Die Königsvögel hatte ich aus Sperrholz mit der Laubsäge ausgesägt und fast „künstlerisch“ bemalt. Die Dicke des Sperrholzes wurde vorher bei Testschießen ermittelt. Bereits 1950 waren die ersten Luftgewehrstände gebastelt worden. Tische dienten als Gewehrablage und als Pritschen (es wurde liegend, kniend/sitzend und stehend geschossen), weiter wurden zwei Tische übereinander gestapelt und ergaben somit eine Deckung für den Scheibenwechsler und Anzeiger; so wurden kleine Stände gebastelt (für die Meisterschaft von Alt-Dortmund genügte natürlich nur ein Stand, da nur ein Gewehr zur Verfügung stand). Über zehn Stände verfügte bereits der kleine Saal im Josephs-Haus an der Heroldstraße, hier wurden die ersten Kreismeisterschaften und Kreispokalschießen ausgetragen. Im Saal der „Grünen Tanne“ in Eving wurden für die Ausrichtung der ersten Landesmeisterschaft nach dem Kriege rund 25 Stände von Mitarbeitern des Schützenkreises Dortmund montiert. Ganz schnell gab es dann auch die ersten Luftgewehre zu kaufen, z. B. von Walther das LG 51 und später das Modell 53 und 55 zunächst noch mit glattem Lauf ab 1953 dann auch mit bezogenem Lauf; selbstverständlich waren auch andere Firmen wie Diana, Kriko und sehr beliebt auch das Weihrauch-Luftgewehr auf dem Markt.

 

Mit dem KK-Schießen über 50 m konnten wir in Dortmund Dank des persönlichen Einsatzes von Dr. Albrecht Hilverling bei den Besatzungsmächten auf dem nur provisorisch hergerichteten Stand in Berghofen beginnen. Das erste Schießen wurde unter Beteiligung der Hörder und Nördlichen Schützen und einer englischen Armee-Auswahl bereits am 14. 7. 1951 durchgeführt. Auch hier standen nur einige wenige – über den Krieg geretteten – Sportwaffen wie Walther, Mauser oder Geco-Meister zur Verfügung aber auch neugefertigte Kleinkalibergewehre wurden ab 1953 von Walther und Weihrauch angeboten.

 

Mit Fertigstellung der Schützenhäuser in Berghofen und in Dorstfeld konnte und wurde mit einer intensiven Lehrgangs- und Schulungsarbeit im Schützenkreis Dortmund begonnen. Der Nachholbedarf an Schießwarten war so groß, dass Heinrich Kroll und ich einige Hundert Schießleiter für den Schützenkreis Dortmund in den ersten Jahren ausgebildet haben. Unsere Arbeit hatte sich bis zum Rheinland rumgesprochen, so dass wir auch vom Rheinischen Schützenbund gebeten wurden, einen Lehrgang für die Kreisschießleiter des Rheinischen Schützenbundes in Düren durchzuführen. Unsere Kleinkaliberstände wurden natürlich auch vom Bezirk und vor allen Dingen vom Westfälischen Schützenbund genutzt, denn auch der damalige stellvertretende Landesportleiter Willi Sekus und Heinrich Prekel führten regelmäßig Lehrgänge in Berghofen und Dorstfeld durch. Eine große Hilfe und auch Fortschritt bildete die Fertigstellung der ersten überdachten Kleinkaliberanlage 1955 unter dem Sporthotel in der Mallinckrodtstraße in Dortmund, auch die Pistolenschützen führten bereits sehr früh in Berghofen unter der Federführung vom Landesreferent für Pistole Georges Meier aus Detmold Trainings- und Schulungsmaßnahmen durch. Auch der 50-m-Stand unter dem Sporthotel konnte für das 25-m-Pistolenschießen genutzt werden. Natürlich gab es zu dieser Zeit noch keine Drehanlagen, sondern es wurde auf 5 stehende Scheiben geschossen und die Zeit über eine Stoppuhr gesteuert. Selbst die Bogenschützen konnten in Dortmund sehr früh mit ihrem Sport beginnen, denn hinter dem Dorstfelder Stand wurde der erste Bogenplatz hergerichtet.

 

Mit der immer erträumten Großanlage für das sportliche Schießen im Schützenkreis Dortmund sollte es noch einige Jahre dauern. Der Traum ist inzwischen wahr geworden! Über das LLZ als Heimstand des Schützenkreises Dortmund-Schwerte berichten wir einige Seiten weiter.

 

Ferdinand Grah